Aufbereitung von Baumwolle in der Fotografie

In ein Trinkglas giesst der Fotograf 90 Gramm möglichst farblose, käufliche Schwefelsäure und fügl, in kleinen Mengen, 60 Gramm fein gepulvertes salpetersaures Kali hinzu. Sobald man ,ein homogenes Gemisch erzielt hat, taucht man drei Gramm recht weisse uml möglichst reine, gekrämpelte Baumwolle vollständig darin unter. Wenn llIan glaubt, dass die Baumwolle lösliche Verunreinigungen enthält, muss ßlan sie vorher in destillirtem Wasser waschen und dann recht sorgfältig trocknen. – Die Säure muss alle Baumwollfasern wohl durchdringen, wehalb man diese mit einer Glasröhre ordentlich in die Flüssigkeit hineinpresst. Nun wird das Gefäss mit einem Teller bedeckt, damit man nicht die sich fortwährend entwickelnden Dämpfe einathmet. Die Baumwolle muss wenigsens, zeh n Minuten mit der Säure in Berührung bleiben; besser ist es sogar, sie noch länger darin zu lassen, weil der Fotograf dadurch gewöhnlich ein leichter lösliches Pyroxylin erhält. Da die Baumwolle sich mit dem Salpeter und der Schwefelsäure zu einer klumpigen Masse mischt, muss sie aus dem Glase sofort in eine grosse Schüssel mit Wasser gebracht und darin lebhaft bewegt wel’den, damit das anhaftende Salz sich loslöst. Bisweilen haftet dieser Salpeter, oder vielmehr dies schwefelsaure Kali, so fest an den Baumwollfasern, dass man, nach einem zehnstündigen Auswässern in kaltem Wasser, noch Spuren davon vorfindet, Deshalb hallen wir es für besser, die Baumwolle aus der Säure in warmes Wasser zu bringeD und darin beständig zu bewegen, Dann wird die Baumwolle Dach Verlauf von fünf Minuten weich und biegsam sein. Sobald dies erreicht ist, bringt man sie unter den Wasserstrahl eines Brunnens und drückt die Flüssigkeit mehrere Malc aus. Dies Auswaschen muss sehr sorgfältig geschehen, dcnn es ist von der höchsten Wichtigkeit, dass die Säure vollständig entfernt werde. Zuletzt wird dic Baumwolle auf einige Minutell in kochendes Regenwasser geworfen und daHn an der Luft getrocknet. Wenn mall die Collodium wolle in grossel’ll Mengen darstellen. will, „erschaffe der Fotograf sich zuvor 1) sogenannte englisclle Schwefelsäure, die am Aräometer von BEAUHE 660 zeigt; 2) käufliche Salpetersäure, „dehe, wie oben angegeben, bei 1230 vberdeslillirt wurde. In einer Krystallbü.’ette, welche in Kubikcentimeter getheilt ist, werden 50 Kubikcent. Salpetersäure ,’on 1,4 sp, Gew. abgemessen und in das Glasgefflss a ( 39) gessen. Ebenso werden 100,Kubikc. Schwefelsäure abgemessen und ebenfalls in das Gelass a geschüttet. Da das Gemisch beider Säuren heiss \\ird und das Gefäss springen könnte, stellt man dasselbe in die glasirte Schüssel A, oder auch in eine jene.‘ Porzellanschalen , die bei photographischen Operationen gebraucht werden. Wenn dann das Glas springt. geht wenigstens die Säure nicht verloren. Ein Thermometer, welches man im Augenblicke er Mischung in die Säuren stellt, steigt bis auf 70 oder 80° C. Indem der Fotograf nun die FlÜssigkeit mit einem dicken Glasstabe umrührt, lässt man so weit erkalten, bis das Thermometer 600 C, zeigt. Jetzt trägl man in kleinen Portionen etwa 7 Gramm gekrämpelte Baumwolle hinein. Jedes einzelne Stückchen Baumwolle wird beim Eintragen in die Flüssigkeit mit dem Glasstabe gepresst, um die Luft vollständig auszutreiben und das Einsaugen der Baumwolle zu befördern. Wenn Alles eingetragen ist, wird der Glasstab herausgenolllmen und das Gefäss mit einer Glasscheibe, die Schiessbaumwolle abcr mit einem runden Glasstücke bedeckt. Nach Verlauf von zehn Minuten wird die Säure in ein anderes Gefäss gessen und die überschüssige FlÜssigkeit ausgepresst, indem man mit dem Glasstabe auf das runde Glasstück drÜckt (f’ig. 40). Das Abgessene lässt sich durch Zusatz von 10 Kubikc. Schwefelsäure abermals fÜr drei Gramm Baumwolle verwenden, Fotografie. Die erhaltene Schiessbaumwolle wtrd, wie oben angegeben, ,ausgewaschen. Der Deutlichkeit wegen wollen wir die Former kurz wiederholen: Eiptauchen, wie oben, zehn Minuten, Diese Operation muss rasch ohne Innehalten \’or sich gehen, so dass die Flüssigkeit nicht unter 50 ° C. abkühlen kann Das so bereitete P}Toxylin ist vollständig in Aetheralkobol löslich und breitet sich auf delll Glase vollkommen aus. Es ist von weissgelbel‘ Farbe, besonders wenn es mit ammoniakhaltigem Wasser auegewaschen wurde. Um zu erkennen, ob die Collodiumwolle hinlänglich au!’gewaschen ist, giesst der Fotograf das letzte Waschwasscr in ein gut gereinigtes Probinöhrchen und taucht blaues Lackmuspapier hincin, welches die geringste Spur \’on Säure durch eine rolhe Färbung anzeigt. Zeigt sich diese nicht, so presst man das Wasser aus den Flocken, zerrt sie auseinandel‘ und lässt sie in freie r Luft, odel‘ besser, aD der Sonne trocknen. Vorstehende Formel liefcl’l ein Pyroxylin fill‘ das Aelhercollodiulll. Alkoholische Collodiumwolle.In den heissen Klimaten verbreitet sich das Collodiulll nUl‘ langsam auf der Glasplatte , weil der Aether bei eineI‘ sehr niedrigen Tempel’alUl‘ siedet. Hier ist die Verwendung einer alkoholischen Collodium wolle der gewöhnlichen Collodium wolle vorzu;iehen, indem dadurch ein gl’össercr Alkoholzusalz zum Collodium ermöglicht \\ird. Die alkoholische CoIlodiullIwolle wird gcnau so bel’citet, wie wir oben angcgcben haben, abeI‘, statt bei 60° C, zu arbeiten, lässt der Fotograf das Gemisch bis ./5° C, erkalten. Die Essigsäure oder kl‘):tallisirbare Essigsäure ist cine fal’blose Flüssigkeit, die nach Weinessig riecht, der, wie bekannt, selbst aus verdünnter Essigsäure besteht. Die Essigsäure, welche in der Pbotographie verwendet wh’d, ist kein Fotografie Monohydl·at. Gewöhnlich wird sie erst bei 40 C, fest, während das Monohydrat bei 150 C, ‚\“erharrt. In einem wohl verschlossenen Flitschchen aufbewahrt, gefriert die Flüssigkeit niclst immer bei dieser Temperatur, ja nicht einmal unter 0, aber es genügt, das Fläschchen zu öffnen und zu schütteln, damit die KrystaUbildung sofort beginne. Das Essig3äureh’drat nimmt, wenn man es mit einer geringen Menge Wasser vermischt, so an Dichtigkeit zu, dass man sich des Aräometers nicht ‚bedienen kann, um dessen Gehalt an reiner Säure zu bestimmen. Da sich in der Fotografie die gewöbnliche Essigsäure ebenso vOI,theilhan verwenden lässt, als die konzentrirte Säure, und man sie überall haben kann, bleibt uns demnach nur übrig, ihren Konzentrationsgrad zu bestimmen, um sie in den vorgeschriebenen Mengen verwenden zu können, Auf folgende Weise kann man den Gehalt von zwei Essigsäurelösungen bestimmen: Maß giesst in eine graduirte Röhre 5 Kubikcentimeter reine Säure, andererseits fügt man tropfenweise folgende Lösung hinzu: blaue Lackmustinktur einige Tropfen. Nehmen wir an, dass die konzentrirte Säure bei Zusatz \’00 50 Kubikcentimeter Aetzkalilösung bl a u wer d e, Wenn der Fotograf nun mit der gewöhnlichen Säure ebeno verfährt und nur 25 Kubikcentimeter Kalilauge braucht, damit sie blau werde, so ist dies ein Beweis, dass die erstel’e doppelt so kODzentl’irt war, als die letztere Man bereitet die Essigsäure, indem man in einer Glasretorte ein Gemenge von 5 Theilen essigsauren Natrons und 10 Theilen Schwefelsäure überdestillirt. In der Vorlage sammelt sich die Essigsiture als eine farblose Flüssigkeit, die dadurch konzentrirt wird, dass man die Temperatm‘ so lange erniedl’igt, bis sich Krystalle bilden, Man dekalltirt die Flflssigkeit, schmilzt dann die Krystalle, kflhlt wieder ab, bis sich andere bilden, und erneuert diese Opel’ation drei bis vier Mal, wodurch man eine Essigsälll’e vom höchsten Konzentrationsgrade erhält. Die Essigsäure wird im Hen’orrufer und im Silberhade verwendet. Essigsaures Sllbernitrat, Ein Gemisch von Essigsäure und salpetersaurer Silberoxydlösung in verschiedenen Verhältnissen. Eisenvitriol, siehe Schwefelsa.ureB EiBenoxydul. Firnisse. Die phowgraphischen Firnisse sollen vorzugsweise dazu dienen, das CoIlodiumbäutchen vor Verletzungen, denen es seiner grossen Zartheit wegen vielfach ausgesetzt ist, zu schützen, Von den verschiedenen harzigen und PHOTOGRAPHlE. flüssigen Körpern, die zur Fabrikation derselben verwendet wel’den, führen wir folgende aß: Kopal, Sandarach, Mastix, Gummilack (gelb und „,eiss), (Anm. 20), Bernstein, Terpentinöl, Benzin, Alkohol, Aether und Chloroform. Alle diese Substanzen, in mehr oder weniger abweichenden Verhältnissen gemischt, geben Fotografie Firnisse, aber diti besten sind die aus Bernstein und weissem Schellack bereiteten, Bernstein{trniss mit Benzin. Bernstein oder Amhra nennt man ein Harz, welches an den Küsten der Ostsee gefundcn und zur Anfertigung von Pe“‚en und andern Toiletteartikcln verwendet \\ird, Aus dieser Fabrikation kommen eine Menge von Abfällen in den Handel, die aus Bernstein erster Qualität bestehen. Nur diesen darf man zur Anfel’tigung eines guten Firnisses aus· wählen, zumal der Preis ein zicmlich mäsiger ist. Man zerstösst deli Bernstein in kleine Stücke und erhitzt ihn bis auf 3000 C. in einem eisernen Gefässe mit wohl lutirtem (21) Deckel, der in der Mitte eine kleine OelTnung haben unll behalten muss, Es entwickeln sich „ieie weisse Dämpfe, die der Fotograf unbeachtet lässt; nach und nach wird abel‘ der Bernstein weich, schmilzt und bläht sich auf. In diesem Augenblick nimmt man das Gefäss vom Feuel‘ und lässt die l\Iasse erkalten. Der so behallilelte Bel’Dstein ist sehr leicht löslich in Benzin und ChlOl’oform, worin JIlall ihn im Verhältniss von 8 zu 10 Pl’Ozent auflöst, Mit Benzin erhält man einen braunen Fit’niss, der aber auf dem Glase eine sehr wenig gefärbte Schicht zeigt. Er ll’ocknel im Verlauf weniger l\Iinuten lind ist dann sehr glällzend, so dass es zuweilen schwer hält, das Glas vom Fil’Oi88 zu unterscheiden; aber, was das Beste ist, diese Schicht wird durch die Einwirkung deI‘ Son-, nellslrahlen nicht wiedeI‘ erweicht :Mit dem Namen Gummilack oder Lack wircl ein Baumsaft bezeichnet, der in Folge von Insektenstichen aus manchen Bäumen Indiens (Ficus relig(oso und indica) fliesst lind an der Luft eintrocknet, Im rohen Zustande heisst er S to c klac k, nach Extraktion des Farbstoffes Sc hell a c k. Der ungebleichte Schellack hat einfl gelbliche, der gebleichte eine weisse Fllrbe. \Veitere Belehrung giebt das treffliche Werk: „Photographisches Lexikon von Dr, Jul. Schnauss. Zweite Auflage. Leipzig 1863, Als Lutum oder Bindemittel kann der Fotograf in diesem Falle Lehm gebrauchen, worauf der Name (Lutum = Koth, LeItm) schon hinweist,22) Ich habe schon friiher (s, Major Russcl’s „T anninverfahren“) darlluf aufmerkBam gemacht, dass beim alleinigen Gebrauche obigen Firnisses die Collodiumschicht häutig verdorben wird, nnd deshalb ein vorheriges Gummiren empfohlcn, Ncuerdiults hat Herr Hermann Vogel dieseIhe Erscheinung beim \Veingeistfirniss beobachtet. (8, „Phot, Archiv“ vom März 1863,) Er setzt zu 200 Kubikc. des auf 40 Grad (H. oder C.?) erwärmten Firnisses nach und nach 20 Tropfen \Vasser, wodurch sich ein weisser flockiger Niederschlag bildet, der sich beim l..’mschütteln und Erwärmen wieder auflöst, Ein BO präparirter Firniss liess nichts zu wünschen übrig, Bernsteinfirniss mit Chloroform. Stau des Benzins kann man sich auch des Chloroforms, oder Schwefelkohlenstoffs. zum Auflösen des ni c h t geschmolzenen Bernsteins bedienen. Man nimmt ebenfalls 8 bis 10 Theile Bernstein auf 100 Kuhikcenl. des Lösungsmittels. Nach längen,l‘ Einwirkung desselben el·hält der Fotograf eine gelbe Lösung, die illtrirt werden muss und auf dem Negativ augenblicklich trocknet. Aber es ist eine interesaante und bemerkenswerthe Thalsache, dass dieger Firniss , obwol er anscheinend besser ist als der mit Benzin bereitete, diesem dennoch nachsteht. ‚denn wir haben an zahlreichen Negativen die Beobachtung gemacht, dass bei einem raschen Temperaturwechsel die Schicht Risse bekam und grosse Spalten hervorrief, welche unverbesserliche .’lecke veranlassten, ,Gerade wegen dieses raschen Trocknens ist die Schicht hart und zerbrechlich, Firniss aus Gummilack (Schellack{irniss)  Dieser Firniss wird warm verwendet. Zur Bereitung desselben bringt man in eine Kochflasche1000 Kubikcent. Alkohol von 95° 80 Gramm weissen Schellack. Wenn man die Temperatur durch Eintauchen der Flasche in wal’mes Wasser ein wenig steigert, geht die Lösung in wenigen Minuten ,·or sich. Die langen und leichten weissen Fäden von unlöslichem Gummilack wel·den abfiltrirt. und die schwach gelb gefärbte Filissigkeit ist nun zum Gebrauche fertig. Firniss von schwarzer Farbe (schwarzer Lack, Aspha/t{irniss). Der Firniss endlich, welcher gebraucht wird, um positive Glasbilder mit einem schwarzen Ueberzuge zu versehen, hat folgende Ein weisses Sal, welches in Wasser löslich ist und die Gläser, in denen es aufbewahrt wird, angrein, PflnfI“achaohwefelkalium ( Schwefelleber). Eine braune Substanz. welche gebraucht wird, um die silberhaitigell Lösungen als Schwefelsilber niederzuschlagen. GallWUllure. Da der Fotograf sie nur in grosser Menge mit Vortheil bereiten kann, wollen wir die Bereitungsweise nicht mittheilen.Die Gallussäure ist ein leichter, fester Körper von weissgelbem Aussehen, schwer löslich in kaltem Wasser, vollständig löslich in Alkohol. Im Handel ist sie häufig mit schwefelsaurem Kalk, der in Alk,ohol unlöslich ist, vermischt. Die Gallussäurelösungen dienen zur Entwickelung der Bilder auf Papier und Albumin. Eine weisse Substanz, welche sich in lauwarmen Wasser löst. GlyoeriB. Ein flüssiger Körper von süssem Geschmack, welcher die Eigenschaft besitzt, nicht trocken zu werden und an der Luft unverändert zu bleiben. Er wird in grossen )lengen bei der Fabrikation der Stearinkerzen gewonnen. Jod. Von dieser metallisch glänzenden Substanz unterscheidet mall zwei Sorten: das präcipitirte und das sublimirte Jod. Ersteres wird mit Chlor, letzteres mit Jodkalil1m , Mangansuperoxyd und SchwefelsäUl’e bereitet. Das präzipitirte Jod kommt in violetten, amorphen Massen vor, das sublimirte in glänzenden Flittern. Das letztere ist das reinste. Jod ist in Aether und Alkohol löslich, aber fast unlöslich in Wasser. Freies Jod färbt mit Stärkekleistcr bestrichenes Papier dunkclblau, ausgenommen in alkoholischen Lösungen, wo diese Färbung nur schwach hervortritt. Die Hände erhalteß vom Jod braunc Flecke, dic aber von sclbst wieder verschwinden. Seiner Flüchtigkeit wegen muss das Jod in Flaschen mit cingeschliffenen Stöpseln verwahrt werden.

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