Bedeutung von Licht in der Fotografie

Wir wollen jetzt versuchen Fotografen eine deutlichere Vorstellung vom Lichte zu geben, nachdem wir durch die gegebenen Erörterungen uns dazu vorbereitet haben. Das Sonnenlicht besteht also ans verschiedenen Strahlen, wovon die im eigentlichen Sinne sogenannten lellchtenden Strahlen bewirken, ooss „‚ir Alles, was uns umgiebt, wahrnehmen, während die Wärmesirahlen die El’de erwännen und zwar um so mehr, je ,veniger schräg sie aulTallen, und endlich die chemischen Strahlen die Eigenschaften haben, die entfärbten Pflanzentheile wieder grün zu machen Ian glaube ja nicht, dass diese Erklärung der Grundeigenschaflell des Lichtes nur eine Hypothese sei, denn man kann diese verschiedenen Strahlen auf folgende Weise von einander trennen. Wenn der Fotograf einen Sonnen- 8tl’ahl durch eine Doppelschicht aus Alaun und gelbem Glase fallen lässl. wird derselbe seine wärmenden Eigenschaften verloren haben, während ein Strahl, den man durch ein angerauchtes Blättchen eines Bergkrystalls gehen lässt, sich \’er)iert. Sein Licht ist gleichsam erloschen, aber die Wärme geht hindurch, Wenn endlich ein Lichtstrahl durch ein mit Silbel’salzen gefärbtes Glas geht, wird er alle seine chemischen Strahlen „erlieren Wir haben gesehen, tlass die Sonnensirahlen wesentlich aus drei Arten \’on Strahlen bestehen: aus Lichtstrahlen, Wärmestrahlen und aus chemischen Strahlen, welche die Eigenthümlichkeil besitzen, entfärbte Pflanzen wieder grün zu machen. Diese „er8chiedenen Eigenschaften kommen denselben Sonnenstrahlen zu, und die Unterscheidung, die wir aufstellen, ist mehr eine methodische als wiJ·kliche. Die ganze I·holographie beruht auf der ein e n Eigenschaft dieser Strahen. gewisse chemische Erscheinungen hervorzurufen. Wenn ,,“ir uns zwei Lösungen: eine aus salpetersaurem Silberoxyd , die andere aus Eiweiss bereiten und beide im Dunkeln mischen, so bildet sich sofort eine flockige, weisse Substanz, die aus dem Albumin vom Eiweiss aus salpetersaurem SUberoxyd besteht. ·So lange diese Substanz sich in der Dunkelheit befmdet. behält sie ihre wewe Farbe. aber wenn der Fotograf sie den Soenstrahlen aussetzt, ändert sie sich rasch. indem sie anfangs eine violette, dann eine schwarze Färbung annimmt. Hier haben wir ein Beispiel der chemischen Wirkung des Lichtes, denn wenn man die chemische Wirkung hemmt. indem man ein gelbes Glas z“‚isehen die Sonnenstrahlen und das Gefäss mit dem Silberalbuminat bringt, bleibt das Albuminat weiss, obgleich dies Glas kaum das leuchtende Licht aufhält. Sobald wir dagegen ein dunkelblaues Glas verwenden, ändert sich die Substanz, obgleich sie der Einwirkung der leuchtenden Strahlen entzogen ist, sehr rasch an Farbe. Diese Wirkung .ist auch nicht einer Erhöhung der Temparatur zuzuschreiben, denn ein Thermomet, welches der Fotograf in die über dem Albuminate stehende Flüssigkeit taucht, zeigt keine Temperaturänderung an. Wenn man sonst in der Wärme, vor Licht geschützt, arbeitet, bleibt das Albuminat weiss. Das Licht hat hier also eine chemische Wirkung hervorgerufen. Wir kennen die Natur der chemischen Strahlen nicht, sondern konstatiren hlos dies Faktum, dass gewisse Körper, wenn man sie der Sonne aussetzt, in ihrer Elementarzusammensetzung verändert werden. Die Reihe der lichtempfindlichen Subtanzen ist ausserordentlicb gI’OSS, und es lässt sich sogar mit einigem Anschein von Wahrheit vermuthen, dass es in der Natur nicbt eine einzige Substanz giebt, welche nicht „001 Lichte ferändert würde. Diese Veränderung zeigt sich nicht immer im Aeussern, sondern oft haben sich nur die chemischen oder physikalischen Eigenschaften verändert. So scheint der SchwereI , dem J.ichte ausgesetzt, dem biossen Ansehen nach, keine andern Eigenschaften zu bekommen, aber die Wirkung des Lichtes enthüllt sich durch Quecksilberdämpfe, welche ein Sulphür von gelblichbrauner Farbe überaU da bilden, wo das Licht am kräftigsten gewirkt hat. (GAR}\lER et SALIlON. BuU. de la Soc. fraDf;aise de Fotografie. 1858·1 Die Reihe der auf diese Weise indirekt empfindlichen Substanzen ist natürlich eine weit geringere, als die der direkt empfindlichen, d. h. solcher, bei denen sich eine unmittelbar wahrnehmbare Veränderung einstellt. Aber dieser Unterschied kann sehr wohl davon herrühren, dass „iele Beobachtungen und Versuche für die ersteren nöthig sind, während in Betreff der letztern diese Aenderung soCort bemerkbar l\ird. Unter den Körpern, welche rasch zersetzt werden I wenn man sie den Sonneoatrahlen aussetzt, heben wir hen’or: die Sahe des ldes, Silbers, Qoecbilbers, Chroms, des Urans und eine sehr grosse Menge von orga- Fotografie. nischen Substanzen. (Siehe über diesen Gegenstand: HUNT, Researches on light. 1844.) „Die Silbersalze werden fast aUe mehr oder weniger rasch zersetzt, wenn der Fotograf sie den Sonnenstrahlen aussetzt. Die meisten dieser Salze sind, weiss; doch giebt es auch rothe, gelbe und grüne, aber diese abweichende Färbung schützt sie nicht vor der Zersetzung. (D. ‚VAN MONCltBOVEN: Researches on the silver salls. 1862. Fotografie News.) Der Fotograf weiss ohne Zweifel, dass das weisse Licht aus mehreren verschiedenen, aber vereinigten Farben besteht. . Ein weisser Strahl muss sich also unter gewissen. Umständen in farbige Strahlen zerlegen lassen. Die beste Methode, die verschiedenen Farben, aus denen das weisse Licht zusammengesetzt ist, zu isoliren, besteht darin, einen Sonnenstrahl s. auf eine der Seiten eines dreieckigen Prisma’s von Flintglai fallen zu lal!sen.; In Folge der Brechung wird der ursprüngliche St“ahl zerlegt. d. h. „011 seiner ursprünglichen Richtung abgelenkt und obendrein in eine Reihe von Farben getheilt, welche hinter dem Prisma ein farbiges Bild, u Vi, geben, welches man das Sonnenspectrum nennt. Dieses Spectrum besteht, wenn der Fotograf von oben anfängt, aus folgenden Farben: Roth, Orange, Gelb, Grün, Blau, Indi, Violet. Das Roth, welches weniger abgelenkt wird als das Violet, wird wen i gel‘ b re c h bar genannt. Es muss hervorgehoben werden, dass, wenn die lichtempfindlichen Substanzen dem Sonnenspectrum ausgesetzt werden, sie nicht Überall sich färben, sondern im Gegentheil sehr oft ill dem Rothen, Orangen und Grünen unverändert bleiben, während sie in dem Blau, Indi und Violet rasch ihre Farbe wechseln. Noch seltsamer ist es, dass diese Substanzen, wenn sie in z, unlerhalb des Sonnenspectrums, dort, wo das Auge gar kein Licht bemerkt, ausgesetzt werden, dennoch einen Eindruck el’halten, und zwar häufig rascher als an irgend einer andern Stelle des Spectrums. Diese unsichtbaren Strahlen, welche sich ausserhalb des sichtbaren Spectrums ausbreiten, werden häufig als extraprismatische, ultraviolette u. s, w, bezeichnet. So können wir also fesLstellen, dass, wie die obern Farben, d, h. Roth, Orange, Gelb und Grün, viel heller sind als die andern Farben des Spetrums, tliese Jetztern dagegen am wirksamsten sind, wenigstens in den meisten Fällen. Wenn das Sonnenspectrum mit sehr grosseI‘ Aufmerksamkeit untersucht wird, wenn die Apparate, womit man es hervorruft, sehr vollkommen sind, .und endlich der Versuch gut angestellt wird, durchläuft eine Menge von schwarzen Linien dies Spectrum, perpendikulär mit der Länge desselben: dies sind die dunkeln Linien des Spectrums. Diese dWlkeln Linien haben immer dieselbe relative Stellung, wenn die Sonne als Lichtquelle dient und das Prisma aus dem nämlichen Glase besteht. Deshalb haben die Physiker in Anbetracht der Schwierigkeit, die verschiedenen Theile des Spectrums durch Angabe ihrei‘ Farben zu bezeicbnen, weil diese die Eigenthümlicbkeit zeigen, keine bestimmten Grenzen zu bilden, sicb dahin vereinigt, diese Theile nach den wesentlichsten dunkeln Linienzu bezeichnen (raies principales). Diese übrigens sehr charakteristischen dunkeln Linien hat der Fotograf mit Buchstaben versehen. Später werden wir ausführlicher von diesem Gegenstande reden. Wir sahen, dass die meisten Substanzen besonders in jenem l’beile des Spectrums verändert werden, welcher sich vom Grünen bis zum äussersten Violet und selbst darüber hinaus erstreckt. Dies hat für die Fotografie eine sehr grosse Bedeutung. Man sieht in der That ein, dass eine mit Silbersalzen präparirte Platte, wenn sie der Wirkung des Lichtes hinter eineIp rothen, orangefarbenen, gelben oder grünen Glase ausgesetzt wird, durchaus keine Veränderung erleidet. – Ebenso müssten sich alle Gegenstände der Natur, welche diese Farlten zeigen, so wiedergeben, als wenn sie dunkel wären, wie dies dann auch in der That geschehen würde, wenn diese Farben s ehr re i n wären. Aber· glücklicher Weise sind es gerade diese Farben, welche am meisten zerstreutes Licht zurückwerfen und wegen dieses zerstreuten Lichtes beim Fotografie sichtbar werden. Wir haben schon gesagt, dallS die Substanzen, in Betreff der Wirkung der verscbiedenen Farben des Spectrums, eine abweichende Reibenfolge zeigen. So erstreckt sich die Wirkung des Spectrums auf Jodsil“er vom Blau bis zum äussersten Violet, auf Bromsilber schliesst sie auch das Grüne mit ein; beim Fluorsilber erstreckt sich die ‚Wirkung sogar bis in das Gelbe hinein. (Siehe 5.) Wenn die Substanzen, welche wir Strahlen empfindlich wären. würde die genannt haben, gegen alle farbigen Phowgraphie die Gegenstände genau mit .ihren natÜrlichen Farben wie Roth. dergeben ; weil dem aber nicht so sieht der Fotograf sich genöthigt. die Unthätigkeit der rothen und gelben Strahlen durch eine längere Exposition auszugleichen. – Um deutlich zu machen, wie Indijto. man durch eine längere Exposition die unthätigen Farben wiedergeben kann. müssen wir die Aufmerksamkeit auf eine Eigenthümlichkeit des Jod – und Bromsilbers lenken, welche vielleicht die interessanteste in der Geschichte desselben ist. Wenn eine mit jodirtem Collodium überzogene Glasplalle, die in einem Bade „on salpetersaurem i1bel“ empfindlich gemacht wurde, eine sehr kurze Zeit deI“ Einwirkung eines Sonnenspectrums von chwacher Intensität ausgesetzt wird, bemet’kt man nach dem Hervorrufen, dass die rotlIen orangefarbenen, gelben und grünen Strahlen nicht eingewirkt haben, während der übrige Theil des Spectrums bedeutend eingewirkt hat. Aber wenn der Versuch wiederholt wird, indem der Fotograf die Exposition, bemerkt man, dass diese starke Ein wirkung der blauen und. violetten Strahlen sicb aufgehoben hat, während dagegen Roth. Orange und Grün sich leicht imprimirt haben, und zwar Si,. 5. unter Beihülfe des weissen Lichtes, welches den Spectralfarben beigemischt ist. – Wenn das Licht also eine hin längliche Zeit einwirkt, entsteht ein Maximum seiner Wirkung auf Jodsilber; wenn es aber fortfährt einzuwirken, zerstört es einen Theil seiner frilhern Wirkung. In der gewöhnlichen Praxisweiss man sehr wohl.

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