Die Chemie der Fotografie

Zuerst macht der Fotograf sich Königswasser, indem man in einem Glase mit eingeschliffenem Stöpsel einen Volumtheil Salpetersäure mit \ier Volumtheilen Chlorwasserstoffsäure mischt. Das ld, wir wollen annehmen gemünztes ld, wird ln einem Kochfläschchen mit Königswasser überssen und auf einer Spirituslampe erhitzt. Die Flüssigkeit gerätb in’s Kochen und das ld löst sich rasch, \\’ährend Chlor und I’othe Dämpfe von Untersalpetersäure sich entwickeln. Wenn diese rothen Dämpfe verschwinden und noch ungelöstes ld zurückbleibt. Nach der von deutlichen Chemikern angenommenen Aequivalentzahl müsste die Berechnung eine andere werden, wenn nicht Au 2, d. h. zweimal 98,22, gleich 196′,5 wären, a180 die französische Fonnel, indem sie Au 2 statt Au setzt, der deutschen Ausdrucksweise All Cl‘, H Cl gleichbedeutend würde, Dach neues Königswasser zugesetzt, bis alles ld vollsländig ver· schwunden ist. Der Inhalt des Fläschchens wird Dun ausgessen und in einer kleinen Porzellanschale mit rundem, oder besser, flachem Boden zum Trocknen ‚\’erdampft. Dies ist die wichtigste Opration, die mit sehr viel Sorgfalt ausgeführt werden muss. Der Fotograf thut wohl, das r erdampfen langsam vor sich gehen zu lassen und abzubrechen, wenn die Chlonerbindung eine braune Färbung annimmt. Beim Erkalten bilden sich Krystalle, die man so rasch wie möglich in Flaschen bringt. Wenn die Hitze allzu gering war, giebt es einen Ueberschuss von Säure; wenn sie allzu stark ist, zersetzt sich das Chlorur. Von beiden l\achtheilen ist der erste \’orzuziehen und zwar aus folgenden Gründen: Die Menge des verwendeten ldes ist bekannt, \’orn gemÜnzten lde muss man ein Zehntel des Gewichtes als l\.uJlfergehalt abziehen. Die folgende Proportion giebt die l\fenge des Chlorürs al/. Wenn 10 Gramm ld 17 GI‘. Chlorür geben, werden 11 GI’amm x Gramm Chlorür geben, Hat der Fotograf also ein französisches Zwanzigfrankenstück, welches . 17 x 6 ungefähr 6 Gramm rellles ld enthält, \’erwendet, so erhält man 10 oder 10 Gr, reines ldchlorid. Wir wissen demnach, dass wir 10 Gr, Chlorld haben, obwol das erhaltene Gewicht beträchtlicher ist, was \’om Ucberschnss an Säure herrührt. Dieses saure Chlorld wird in wenig Wasser gelöst und mit einem Stück Kreide in Berührung gebracht, welches ‚man vermittelst einer Mörserkeule in der Flüssigkeit zerreibt. Unter lebhaftem Aufbrausen wird die ldhallige Lösung vollständig neutraIisirt. Nun verdünnt man die Flüssigkeit so lange mit Wasser, bis sie in einer gl’aduirten Mensur 550 Kubikcenl. einl/immt, dann „ird sie filtrirt. Alle Filter werden aufbewahrt, die Gefässe, worin ldlösungen waren, gut ausgespült und dieses Spülwasser in einem grossen Glasgefäss gesammelt. Nachdem der Fotograf mit ChlorwasserstofTsäure angesäuert, gi esst man eine filtrirte Eisenvitriollö8ung hinzu, wodurch das ld in Gestall eines schwarzen Pulvers niedergeschlagen wird, In dieses Gefiiss bringt man auch .Iles ld aus den sauern. neutralen und alkalischen Tonbädel’n, mit Aus· !lahme derjenigen, welche unterschwefligsaures Natron enthalten, Jene Bäder \lel’den mit ChlorwasserstofTsäure angesäuert, bis sie eine deutlich gelbe Färbung zeigen, und, wie gesagt, mit Eisellvitriol ausgefällt. Fun fz i g Kubikcentimeter obiger filtrirten Flüssigkeit enthalten also ein Gramm vollkommen neutrales Chlorld. Die andern Salze, welche in der Lösung !ugegen sind, üben durchaus keinen Einfluss auf die Tonbäder aus, – Wenn DAS STUDIUM DER Fotografie. nun ein alkalisches Tonbad \’on einem Gramm Chlorld, oder Chlorld mit Chlornatrium (Chlorldnatrium) , und fünf Gramm kohlensaures Natron vorgeschrieben ist, so nimmt man 50 Kubikc, Flüssigkeit, weil diese Menge ein Gr, Chlorld enthält. Ebenso verfährt man bei allen andern Formeln. Das Chlorld mit Chlornatrium oder Chlorkalium findet dieselbe Verwendung wie das gewöhnliche Chlorld. Um diese Salze zu bereiten, muss man aber mit grossen Mengen arbeiten, die man dann mit Leichtigkeit krystalIisiren lassen kann. Bei allen Formeln, in denen diese Substanzen vorgeschrieben sind, können sie durch unser netltralisirtes und /Utrirtes Chlorld ersetzt werden. Chlorplatin. Ein Salz, wie das Chlorld , bei dem das ld durch Platin ersetzt wird; auch die Bcreitung beider stimmt überein. Chlorplatin giebt den positiven Bildern ebenfalls einen chönell „ioletten Ton, greift sie aber sehr an. Chlorsilber. Wird erhalten, wenn der Fotograf eine alkalische Chlorverbindung zu einer Silbernitratlösung setzt. Das Chlorsilbel‘ ist weiss und sehr lichtempfindlich. Es schwärzt sich am Lichte sogar in einem Gemisch von Wasser und Salpelersäure bei einer Temperatur von 400 C,; wenn diese Zersetzung also nur in einer Trennung der verbundenen Elemente, Chlor und Silber. bestände, mflsste das Silber im Augenblick des Entstehens gelöst werden und die Chlorverhindung weiss bleihen. Chlorsilber besitzen die Fotografen stets in grosser Menge, denn aUe silberhaitigen Lösungen, die von Rückständen herrühren, mit Ausnahme der untcrschwefligsauren, solllen in einem grossen Glasgefäss gesammelt werden. Wenn es voll ist, wird Chlor\\asserstoffsäure zugesetzt, indem man die Flüssigkeit mit einem Glasstabe umrührt, damit sich überall Chlorsilber bilden kann. Nach Verlauf einiger Stunden hat sich dic Flüssigkeit geklärt und man überzeugt sich durch Zusatz einer Chlorwasserstoffsäure , ob alles Silber niedergeschlagen ist. Sollte die Flüssigkeit sich trüben, also noch ungefälltes Silber vorhanden sein, so hätte man abermals eine ausreichende Menge Chlorwasserstoff ZlIzusetzen. Endlich giesst man die klare FlÜssigkeit ab und schüttet sie weg. Wenn der Fotograf im Verlauf einer Reihe von Operationen eine grosse Menge Chlorsilber gesammelt hat, macht man die Flflssigkeit mit etwas Chlorwasserstoffsäure ein wenig sauer und stellt ein Zinkblech hinein.Das Chlorsilbcr wcchselt allmälig die Farbe: es war zuerst weiss oder violet gefärbt und wird nun schmutzig-grau, wie metallisches Silber.Man darf die Flüssigkeit nicht bewegen, sondern muss die Reduktion Fotografie CHEHIE. durch das Zink ruhig vor sich gehen lassen. Wenn das Zinkblech für die Menge der Chlorverbindung ausreicht, genügt dazu eine Nacht; wenn nicht, wird dasselbe sich vollständig auflösen, Sobald alles CWorsilber reduzirt ist, wird das Zinkblech mit dem Finger gerieben und in der Flüssigkeit hin und her bewegt, um das Silber loszulösen; dann lässt man absetzen, was in wenigen Minuten \’or sich geh. Die Flüssigkeit wird so weit wie möglich abgessen und durch soviel ChlorwasserstoO’säure ersetzt, als ausreicht, um das mechanisch mit niedergesrhlagene Zink aufzulösen, Hundert Gramm reichen dazu aus. Nach einer Stunde wird das Gefäss mit Wasser gefüllt, der Ruhe überlassen und abermals dekantirt. Alles Silber wird dann auf einem Filter gesammelt und wenn die Flüssigkeit abgelaufen ist, das Fdter aus dem Trichter genommen und auf eineßl erhitzten Steine ausgebreitet, dait es mit dem Silber trockne. Jan kann es auch auf einem Teller in einer Trockenkammer trocknen, Wenn Silber und Filter trocken sind, presst der Fotograf beides zusammen mit etwas Soda oder Aetzkali, oder besser, mit geschmolzenem oder grob zerstossenem Borax in einen klei- nen Schmelztiegel, den man sofort ZUl‘ Rothglühhitze bringt. Im Feuer schmilzt dcr Borax in seinem Krystallisationswasser, !.Iabt sich auf und schmilzt abermals. In diesem Zustande giesst man ihn auf eine Mat’morplatte, um ihn in kleine StÜcke zu zerstossen. Wenn man nicht geschmolzenen Borax n[,hme, würde der Inhalt des Tiegels zum grossen Thcile hinaus- geworfen, was beträchtliche Verlustc nadl sich ziehen dÜrfte. Das geschmolzene Silber sammelt sich ah‘ Klumpen (H4!- lDs) am Dodcn des Schmelztiegels, der. man nach dem J1g,38, to,In! gt, Erkalten zerschlägt und das l\fetall herauszieht. 16) Bei einigem Gcschick wh’d das folgende Vcrfaht’cn besser gelingen. Man terschafl’t sich einen guten Graphitliegel \’on geringem Umfange ulid erhitzt ihn, nachdem er mit kohlensaurem Natron gefüllt ist. bis zur Rolltgllihhitze in einem Zimmcrofcn, dann hcbt der Fotograf ihn mit einer Zange ( 38) ab und 5b1lpt ihu um. Alles geschmolzene kohlensaure Natron Oiesst nun heraus, aber der Tiegel ist \’Olll Alkali inprägnirl und gefirnisst. Jetzt kann er ofttnals zum Schmelzen des unreinen Silbers, welches aus der Reduktion Es thut nicht gerade Noth, den Tiegel jedesmal zu zerschlagen; vielmehr i.n es wünsehen8werth, dass er recht lange vorhalte. weil jeder neue Tiegel eine xi .. mliche Menge Silber absorbirt, während der Alte sich nach und nac4 mit Silber inkruatirt und dadurch haltbarer wird. Geht er aber endlich entzwei, 80 lohnt es .ich weuiptena der Mühe, ihm 8eine Silberbeute wieder abzujagen, DK R. Fotografie. ChloriIrs entsteht. verwendet werden, Aber, statt ihn mit dem ge5chmolzenen Silber auf dPom Feuer erkalten zu la!’sen, nimmt man ihn, bei einer noch hohen Temperatur, mit einei‘ eisernen Zange ab und gies!\t das geschmolzene Silber aus einer gewissen Höhe in einen Kübel mit kaltem Wasser. So erbält man ein gekörntes Metall, Was die leichten Stoffe anbetrim, die im Tiegel vOl’handen waren und vom Papier und andern Unreinigkeiten herrÜhrten, so werden diese, ihrer Leichtigkeit wegen, vom Wasser fortgeführt, wenn mau die Silberkörner unter die Lampe bringt, während das schwere Silber rein zurÜckbleibt. Dies sehr leicht ausfflhrbare Verfahren ist der diJ’ekten Reduktion des Chlorsilbers durch Kl’eiue und Kohle, oder dem Auskochen mit Aetzkltli und Traubenzucker bei weitem vorzuziehen. Das erhaltene Metall ist nicht sehr rein. Oft hinterlässt es beim Auflösen in Salpetersäure einen schwarzen, feingepulverten RÜckstand, welcher nichts Anderes, als metallisches ld ist. Um es zu sammeln, wird die Silberlösung in eine andere Scbale dekantirt, der schwarze Rückstand zweimal hintereinander mit etwas Wasser, welches man zur urspl’ünglichen Salpetersäurelösung wieder hinzugiesst, ausgewaschen und endlich auf einem Filter gesammelt, welches der Fotograf auf einem heissen Steine trocknen lässt. Wenn man eine gewisse Menge dieses ldes gesammelt hat, ff1gt man dasjenige hinzu, welches aus den alten unterschwefligsauren Lösungen und aus den Tonbädern kommt. Alle diese Filter und ldhaItigen Papiere werden zusammen auf einem TeIlei‘ verbrannt, die Asche sorgfältig gesammelt und in einem kleinen Tiegel mit vorbeI‘ geschmolzenem Borax in Rothglühhilze gebl’acht. Cyankalium kommt im geschmolzenen und krystallisiJoten Zustande vor, Es ist eine giftige Substanz, die der Fotograf besser kaufen als selbst bereiten kann. Collodium, Eine Lösung \’on Schiessbaumwolle in Aethel‘ – Alkukol, auf welche wir ausfilhrlicher zurückkommen werden, Collodiumwolle, 8chiessbaumwolle, Pyroxilin.

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