Entwicklung von Objektiven zur Fotografie

Der Fotograf, welcher ein Objektiv anfertigt, muss also \’or allen Dingen die chromatische Abweichung aufheben. Dies geschieht durch eine passende r ereinigung „on Flint- und Cro\\ n-Glas; nur lhut es nicht gerade 1\oth, die Prismen so anzufertigen, dass Roth und Gelb zusammenfallen, wol aber müssen Gelb, als Silz der Hauptlichtwirkung , und Blau, als Sitz der grössten chemischen Wirkung, zusammenrallen.

Man könnte, genau genommen, sich in der Photo graphie der Dicht acht’omatischen linsen bedienen, nur würden diese einen chemischen Fokus zeigen, d. h. das auf dem matten Glase scharf eingestellte Bild würde auf der empfindlichen Schicht, welche die Stelle des Glases einnimmt, nicht scharf erscheinen; deshalb nimmt der Fotograf meistens statt der gewöhnlichen Linsen achromatische, sowol bei einfachen Linsen als auch bei den Doppelobjektivcn.

Die Figuren 26, 27, 28 und 29 zeigen, wie durch V C1’bindung \“on Flintund Crown-Glas ·die Linsen achromatisch gemacht werden. Die Berechnung tIes Verhältnisses der Krümmung zum Zerstreuungsvermögen der verwendeten StofTe ist so schwierig, dass wir nicht einmal verSlIchen wollen, in der Kürze eiDe genaue Vorstellung davon zn geben.

Die Einzelheiten, welche wir vorhin vielleicht in allzu gedrängter Weise mitgetheilt haben, werden das Verständniss dessen erleichtern, was wir über die photographischen Objektive mittheilen wollen.

Erinnern wir uns zuerst da“:Jn, dass in einer wohlverdunkelten Kammer ( 30), in welche das Licht durch eine kleine OelTnung fäUt, die äussern Gegenstände sich auf einer weissen Wand abbilden, welche der Fotograf hinter dieser OelTnung aufstellt. Je grösser die Entfernung dieser Gegenstlinde ist, desto kleiner wird ihr Bild sein, aber man kann die Grösse der Bilder wachsen oder abnehmen lassen, je nachdem man die weisse Wand zurückschiebt oder vorrückt.

Wenn wir in die Oeffnung eine Sammellinse bringen, deren am wenigsten konvexe Fläche nach Aussen gerichtet ist, werden wir bemerken, dass es hinter dieser Linse eine Stelle. giebt, wo das Bild‘ am schärfsten erscheint. Diese ursprüngliche Schärfe geht beim Vorrücken oder Zurückschieben ,-erloren.

Die Verwendung der Linse ändert nichts am ursprüngliche Umfange des Bildes, aber dasselbe wird dadurch schärfer. Je nachdem man mehr oder weniger konvexer Linsen bedient, ändert sicb mit der verschiedenen Linse die Entfernung, wo die grösste Schärfe hervortritt. Wenn die Linse, deren der Fotograf sich bedient, mit voller UelTnung verwendet wird, werden die Bilder weniger scharf sein, als wenn man sie mit Blenden bedeckt, d. h. mit dunkeln Scheiben, welche kreisförmige OeO’nungen haben, die kleiner sind als die Linse. l\lan beschränkt so die Linse auf ihren centralen Theil, der, wie wir schon früher anführten, keine sphärische Abweichung zeigt.

Wenn man den unbeweglichen Gegenstand, der in unserer Figur eine Kirche darstellt, durch eine bewegliche Figur ersetzt, z. B. durch einen Menschen, der geht, so kann man sich überzeugen, dass, je mehr dieser Mensch sich entfernt, um so mehr das Bild sich der Linse nähert und an Grösse abnimmt, während umgekehrt, wenn der Mensch sich nähert, der Brennpunkt weiter zurücktritt und das Bild an Grösse zunimmt.

Wir haben schon gesagt, dass man mit dem Namen Hauptfokusdistanz, oder, wie man gewöhnlich sagt, Brennweite, die Entfernung zwischen dem optischen Centrum der Linse und dem schärfsten Bilde sehr entfernter Gegenstände bezeichnet. Da die photographischen Linsen in der Regel eine ziemlich lange Brennweite haben, können wir in der vorstehendcn Erklärung .Jen Ausdruck „optisches Centrum CI durch .. Vor der CI ä c h e d e 8 GI ase s“ ersetzen.

Der Fotograf findet den Brennpunkt eines einfachen Objektiwes sehr leicht, wenn man dies Objektiv an die gewöhnliche, in der Fotografie verwendete Dunkelkammer anschraubt und auf entfernte Gegenstände einstellt. In diesem Falle ist der Brennpunkt der Entfernung gleich, welche zwischen der hintern FJähe der Linse und dem matten Glase liegt, wenn man die Dicke der Linse mitrechnet. ‚

Bei Doppelobjektiven ist dies nicht der Fall. Man kann hier also nicht die Entfernung des Bildes vom letzten Glase messen, um deli Brennpunkt kennen zu lernen, sondern man muss schlechterdings die Rechnungen zu Hülfe nehmen, oder einen Mitteldurchschnitt gelten lassen. Das Mikrometer mit beweglichen Fäden kann mit einer grossen Genauigkeit die Bilder „eit entfernter Gegenstände wiedergeben. Man hat darin also ein genaues Mittel, die absolute Brennweite der Objektive abzuschätzen, aber es gehören geübte Hände dazu, sich dieses Apparates zu bedienen. Uebrigens tImt es niemals Noth, auf die allergenaueste Weise diese Brennweite kennen zu lernen.

Gewöhnlich geben die Verfertiger von Objektiven in ihren Preisverzeichnissen die Brennweite der Doppelobjektive auf die Weise an, dass sie beim Messen des Brennpunktes vom hintern Glase ausgeben. Dies ist ein Irrthum, dem wir jedoch nicht abhelfen können, weshalb wir es gerade so machen werden.

Mit Hülfe der oben gegebenen Formel wird es stets leicht sein, die Grösse des Bildes und der Aufnahme der Dunkelkammer zu berechnen, wenn die Brennweite des Objektivs bekannt ist. Um aber unsere Fotograf dieser Milhe zu überheben. entlehnen wir die folgende Tafel nebst der Erklärung ihres Gebrauches einer ausgezeichneten Abhandlung des IIerrn SECUETAN.

Die erste senkrechte Reihe enthält die brennweiten von 5 zu 5 Centimetern für 10 -100 Centimeter; für die dazwischen liegenden Brcnnweiten kanD man die Resultate nach den oben angegebenen Regeln bel’echnen. Die Z\veite senkrechte Abtheilung , welche oben den Bruch 1/1 oder 1 trägt, giebt in Hinsicht auf die Grösse des Bildes, gegenüber der ersten Kolumne, jedesmal zwei Zahlen. Die erste ist die Entfernung des Gegenstandes, die zweite die des matten Glases. Die Summe dieser beiden Zahlen ist also die Ent-. fernung des Gegenstandes vom Bilde, wcnn der Fotograf den kleinen Zwisch.enraum, der die vereinigten Centren trennt, hinzurechnet. Dies bezieht sich besonders auf Doppclobjektive, meistens kann man‘ jedo(:h deren Zwischenraum unberücksichtigt lassen. Die dritte Vertikalreihe enthält ähnliche Angaben,

aber für eine Bildgrösse von 1/2, die vierle Reihe giebt sie für 1/3 und so die folgenden.

Nehmen wir an. das man mit einem Objektive von 30 Centimetern Brennweite ein Porträt ,’on 1/6 Grösse machen wollte. Ausgehend von der Zahl30 dor ersten Vertikalreihe, wl’folgen wir die Horizontallinie, bis wir zu der Vertikalreibe gekommen sind, welche die Aufschrift 1/0 trägt. Wir werden hier auf das .’ach treffen, wo sich die heiden Zahlen 2. 10 und 0,35 befinden. Die erste zeigt an, dass die Person 2 Meter und 10 Centimetel‘ vom Objektiv entfernt sein muss, und die zweite beleht·t uns, dass das maUe Glas. in den Brennpunkt gebracht. ungerahr 35 Centimeter entfernt sein wird.

Die Resultate der Tafel sind gen3u bis ungefähr auf ein Centimeter; elne grössere Genauigkeit würde unnütz gewesen sein, besonders für diejenige Zabl, welche die Entfernung des maUen Glases bestimmt, vorausgesetzt, ‚dass der Fotograf dieselbe immer durch genaues Einstellen regelt. Die Resultate der Tafel sind genau bis ungefähr auf ein Centimeter; elne grössere Genauigkeit würde unnütz gewesen sein, besonders für diejenige Zabl, welche die Entfernung des maUen Glases bestimmt, vorausgesetzt, ‚dass man dieselbe immer durch genaues Einstellen regelt. Es ist immer gut, dieses letzte Grössenverhältnisll zu kennen, wenn es auch nur wäre, um zu wissen, ob das Lokal, worin man arbeitet, gross genug ist, um eine gewisse Reduktion des Bildes mit einem Objektive von einer beJlimmten Brennweite vornehmen zu können.

WeDD der Fotograf nun die kleinste Reduktion „‚issen möchte, welche man bei einer Brennweite von 40 Centimetern in einem Zimmer, dessen grösste Dirnension 4 Meter ist, vornehmen kann, müssen wir zuerst ein Meter für den Platz dessen, der aufgenommen „ird, und für den Fotograf der auf dem matten Glase einstellt, abziehen. Unsere vier Meter reduziren sich asQ auf drei.

In der Horizontallinie, welche einer Brennweite von 40 entspricht, durchlaufen wir die Summe beider Zahlen jedes Faches, bis wir das Resultat finden, welches sich am meisten drei Metern nähert, aber weniser beträgt. So kommen wir auf die Zahl 2,88, welche uns diejenige Reihe giebt, an deren Spitze sich 1/“ befindet.

Dies wird die kleinste Bildgrösse sein, welche wir in diesem Lokal mit solchem Objektive erhalten können.

Eine ähnliche Aufgabe würde diejenige sein, wo man, wenn die Entfernung des Gegenstandes in Bezug auf das Bild bekannt ist, wissen möchte, welcbe Brennweite ein Objektiv baben muss, um eine in dem Porträt gegebene Reduktion zu bekommen.

Gesetlt nun, der Fotograf habe über einen Raum von vier Metern zu veJ’rügen und wolle eine Reduktion auf 1/8 vornehmen, indem man ein Objektiv VOll gr’össtmöglichster Brennweite verwendet; welche Brennweite müsste dies sein! Um sie zu erfahren, ziehe ich die Kolumne zu ßathe, welche die Ueberschrift I/S trägt, und indem ich die Summe von beiden Zahlen jedes Faches ziehe, bis ich ein Resultat finde, welChes vier am nächsten kommt, gelange ich bis zum siebenten Fache, welches mir 4,05 giebt und in horizontaler Reihe einer Brennweite von 40 entspricht. Dies ist die gesuchte Brennweite. Die Lösung verschiedener Aufgaben, welche sich nach obigen Tafeln mit Leichtigkeit bewerkstelligen lässt, wird oft beim ersten Blick Aufschlüsse geben, welche nützlich sein können. So kann man bei einer Landschaftsaufnahme mit einem bekannten Objektiv die llirkliche Grösse eines Platzes finden, welcher den Fotograf vom aufgenommenen Monumenle trennte; ebenso lässt sich die Höhe und jede andere Dimension, die der Fotograf gerne \lissen möchte, ausfindig machen,

Diese Tafeln werde also vom grössten Nutzen für den Fotografen sein, sei es nun, dass er wissen m/ichle, welche Grösse ein Monument in seinem Apparate geben wird, wenn er sowol die Entfernung vom Aufnahmepunkte als auch die Brennweite seines Objektivs kennt, sei es, dass Cl‘ erfahren will, welche Länge er seinem Glashause geben muss. Dieser praktische Nutzen hat uns veranlasst, jene Tafeln hier aufzunehmen,

Vm dieses Kapitel zu beschliessen, bleibt uns noch übrig, einige Worte über den chemischen Fokus zu sagen, wovon wir schon vorhin geredet haben, indem wir erklärten, was man darunter zu verstehen habe. Ein Objektiv, lVelcbes eine DiJrerenz des chemischen und optischen Fokus zeigt, giebt kein scharfes Bild, wenn die empfindliche Platte an die Stelle des matten Glases gesetzt wird.

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