Optischer Fokus von Foto-Objektiven

Der Fotograf kann die Differenz, welche zwischen dem chemischen und optischen Fokus vorhanden ist, auf folgende Weise ausprobiren. Man stellt, wie in 31, eine Reihe von Ziegelsteinen, wovon der eine immer höher steht als der andere, in grader Linie hintereinander auf. Der Apparat „ird in dieselbe Linie mit den Ziegelsteinen gebracht, indem man auf die Mitte, z. It. auf c, einstellt und ein Bild aufnimmt. Wenn b oder d scharf werden, $0 ist der chemische Fokus entweder kürzer oder länger. Man erkenut die Diß’erenz. welche sich zeigt, wenn man abwechselnd die Ziegelsteine b oder d einstellt; die mittlere Entfernung entspricht dem mittlern Fokus, den man immer beim Einstellen in Betracht ziehen muss. Zu diesem Zwecke thut lllan am besten, das untere, Brett der Dunkelkammer in Grade zu theilen. Der Unterschied des chemischen und optischen Fokus wächst mit der Brenn· weite, d. h. je näher ein Gegenstand dem Objektiv ist, um so viel mehr muss der Fotograf ausziehen, weil der chemische Fokus grösser ist. Ein Objektiv, welches beim Daguerreotypverfahren keinen chemischen Fokus zeigte, eine leichte DitrereDz für das nasse Verfahren ergab. Nach Angabe dieser Herren habeR die Objektive, welche keine Fokusdifferenz bei der Daguerre’schen Platte zeigen, auch keine heim trocknen Papier: dasselbe Papier giebt aber, wenn es nass gemacht \\ird, eine wenn auch kleine Differenz, Dies Resultat erklärt sich leicht. In einem einfachen achromatischen Objektiv lassen sich die beiden Linsen als zwei Prismen ansehen, welche ein achromatisches System bilden. Doch sollte man eigentlich sieben Gläser verbinden. um einen vollkommenen Achromatismus herzustellen, weil es sieben Hauptfarben giebt. Maß begnügt sich jedoch bei einem gewöhnlichen Objektiv, Roth und Gelb zusammenfallen zu lassen. Da aber das Blaue und Violette grössere Brechbarkeit haben und die chemische Wirkung gerade in diesen Strahlen liegt, ist es offenbar, dass eine durch diese Prismen gebildete Linse einen chemischen Fokus hervortreten lassen muss. Dies vorausgesetzt, behaupten wir, das s je deS u b s t a n z ein Maximum ‚Von verschiedener chemischer Intensität in den brechbarsten Strahlen zeige, Der Ort der grössten Wirkung ändert sich aber, je nachdem die Substanzen trocken oder feucht sind, wie dies besonders beim Jodsilber der Fall ist. Der Fotograf muss also bei einem Objektiv diesen chemischen Fokus korrigiren , indem man das Gelbe, worin sich die höchste Lichtirkung zeigt, mit dem Blauen, in welchem die grösste chemische Wirkung vorherrscht, zusammenfallen lässt. Ein so korrigirtes Objektiv wird keinen chemischen Fokus CUr diejenigen Substanzen zeigen, deren Hauptwirkung im Blauen liegt, z. B. für die jod,irte und bromirte Platte. Aber beim feuchten Jodsilber, dessen grÖBste Empfindlichkeit in den brechbarsten Strahlen liegt, wird es sich anders verhalten. Ein Objektiv, welches demnach ohne chemischen Fokus beim nassen Coßodiumverfahren ist, wird einen leichten chemischen Fokus für das trockene Collodiumverfahren zeigen. Die Differenz wird zwar wenig merkbar sein, aber wenn das Objektiv einen sehr langen Fokus hat, wird man sich leicht davon überzeugen können. Kurz, es wird ein gewöhnliches achromatisches Objektiv nicht in der Weise korrigirt werden können, dass es filr alle leichtempfindlichen Substanzen ohne chemischen Fokus ist. Der Zweck dieses Kapitels besteht keineswegs darin, einen, wenn auch noch so elementaren, Kursus der photographischen Chemie zu geben. Wir bezwecken nur, einige Belehrungen über die am häufigsten in der Fotografie gebrauchten Substanzen mitzutheilen. Die Gewichte, nach denen sich die Körper in chemischen Verbindungen vertreten können Bei nachfolgender Tabelle ist der Wasserstoff als Einheit angenommen. ‚Der Aether ist eine farblose Flüssigkeit von angenehmem Geruche. In Wasser gessen, löst er sich kaum und schwimmt wie Oel oben auf. Er ist viel leichter als Wasser, weil ein Kilogramm Aether ungefähr einen Raum fon 1350 Kubikc. einnimmt und ein Litcr Aether nur etwa 720 Gramm wiegt, ‚ährend ein Kilogramm Wasser bekanntlich den Raum eines Liters einnimmt. Man prüft den Aether genau so, wie unten für den Alkohol angegeben ist Er muss am Densimeter 0,729 bis 0,720 zeigen, um in der Fotografie verwendbar zu sein. Meistens ist es zweckmässig, ihn auf nachfolgende Weise zu .·ektifiziren. Vor allen Dingen müssen wir abcr die Gefahr hervorheben, welche mit der Behandlung des Aethers an solchen O.’ten \’e.’knüpft ist, wo sich Feuer oder Licht in der ähe befinden. Wenn man in einem abgeschlossenen Raume ein Fläschchen Aether verschüttete und dann mit einer angezündeten Palladium Phosphol‘ Platin. Quecksilber . Rhodium. Sauerstoff Schwefel, Silber Stickstoff . Strontium Titan. Uran. Wasserstoff . Wolfram. Wismuth. Zink. Kcrze hinzuträte, würde diese Umorsichtigkeit eine schreckliche Detonation zur Folge haben, ein Fall, der schon sclu‘ häufig eingetreten ist. DeI‘ Aether ist nämlich eine Flüssigkeit, welche sich ausserordentlich leicht \’erßüchtigt und, indem sich die Dämpfe desselben mit deI‘ umgebenden Luft mischen, bilden sie ein sehl‘ gefährliches explosivcs Gemisch, Aus dem VOI’slehenden folgt, dass der Fotograf den Acthel‘ nie am Abend alls· giessen muss; es sei denn, dass man sf.’hr weit \’om Lichte entfernt wäre; ebenso verhält es sich mit dem Collodium, welches abel‘ seines bedeutendcn Alkoholgehaltes wegen etwas weniger gefährlich ist. Der käufliche Aetller ist selten rein. Man reinigt ihn, indem man ihn mehrcre Tage mit Aetzkali in BerÜhrung lässt, wodurch die empTeumatischen (hrcnzlichcn) Körper Zf.’rstört werdf.’ll. Darauf wird er mit Wasser gewaschen . Hierzu dient ein Trichter mit Glahahn der mit f.’iner Glasplaue bedeckt ist. Wasscr und Aether werden zuerst in einer Flasche gechüttelt und dann in den Trichter gessen. Es bilden sich zwei Schichten bund c, wovon die untere aus Wasser besteht. Wenn der Fotograf den Hahn d ein wenig öffnet, sammelt sich das WasseI‘ in der Flasche A, welche man nUll dm’ch eine andel’e ersetzt, um den Aethel‘ aufzufangen.

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